Macher machen Geschichte. Ein Cfm-Museum als Zeichen für Wandel, Mut und Weitblick.

Nicht immer beginnt Geschichte mit einem lauten Knall. Manchmal reicht eine verstaubte Kiste auf einem Dachboden. 

Als bei Cfm alte Bücher, Dosen und Dokumente auftauchten, waren sie zunächst stille Zeugen einer langen Vergangenheit. Für Geschäftsführer Steffen Tropitzsch wurden sie jedoch schnell zu etwas Greifbarem. „238 Jahre sind erst einmal abstrakt“, sagt er. „Diese Gegenstände geben ein Gefühl für Zeit und für Veränderung.“

Was zunächst wie ein nostalgischer Fund wirkte, wurde zum Ausgangspunkt für etwas Größeres. Der Impuls dazu kam aus der Mitte des Unternehmens. Es waren die Teammitglieder, die schnell auf die Idee kamen: Daraus muss man etwas machen.

Von der Idee zur Haltung

Rund drei Jahre ist es her, dass aus dem Gedanken ein echtes Projekt wurde. Passend zum 235 jährigen Firmenjubiläum und begünstigt durch eine Aufräumaktion in der Familie. In den Räumen der Cfm Oskar Tropitzsch GmbH sollte ein Museum entstehen. Ein Ort, der Wandel, Mut und Weitblick transportiert.

„Wenn man so weit zurückblickt, sieht man viele schwere Zeiten, die gemeistert wurden“, erklärt Geschäftsführer Steffen Tropitzsch. Dieses Bewusstsein solle sichtbar bleiben, ebenso wie die Leichtigkeit, die heutigen Generationen Mut macht, das Unternehmen weiterzuführen. Die zentrale Botschaft, die das Museum transportiert, bringt er auf den Punkt: „Macher machen Geschichte.“

Die erste Vision entsteht

Für die Umsetzung holte sich Cfm zwei Partner ins Boot, die das Unternehmen seit Jahren begleiten: Marc Eichner, verantwortlich für Konzept, Grafik und Storytelling, und Matthias Pausch, zuständig für Bau und handwerkliche Umsetzung.

Für Eichner begann alles mit einem Ortstermin und einer Wand. Nach den ersten Treffen mit den Projektverantwortlichen Corinna Schroller und Karin Bayer und der Sichtung der Gegebenheiten hatte er „relativ schnell eine erste Idee skizziert“. Der entscheidende Gedanke: Die Exponate sollten nicht hinter Glas verschwinden, nicht „eingesperrt“ werden. Vielmehr frei an der Wand schweben. Einzeln arrangiert, offen, zugänglich.

Auch der Umgang mit der langen Unternehmensgeschichte war von Anfang an klar. Statt einer abgeschlossenen Chronik sollte die Ausstellung über die Wand fließen. Eichner beschreibt es als einen bewussten Ausschnitt eines fortwährenden Prozesses: Die Geschichte der Cfm ist nicht abgeschlossen. Sie wird weitergeschrieben.

Freundlich statt verstaubt

Welche Emotion soll einen Besucher als erstes erreichen? Für Eichner war das ganz klar: Freundlichkeit und Zugänglichkeit. Keine Schwellenangst, kein Vorwissen. Die Geschichte sollte modern und barrierefrei erzählt werden. Visuell leicht, offen und einladend.
Diese Haltung spiegelt sich auch in der Materialwahl wider. Gemeinsam mit Matthias Pausch fiel die Entscheidung auf leichte, langlebige Materialien, möglichst reflexionsfrei und optisch zurückhaltend. „Wir haben bemustert und gemeinsam entschieden“, sagt Eichner, denn schon früh war klar: Gestaltung und Handwerk müssen hier nahtlos ineinandergreifen.

Ein Detail, das viele Besucher vielleicht nicht bewusst wahrnehmen, für ihn aber eine besondere Bedeutung hat, ist die Grundform vieler Tafeln. Molekülformeln gaben die Inspiration. Das Hexagon wurde zum wiederkehrenden Element und subtilen Verweis auf die chemische DNA des Unternehmens.

Entwurf trifft Werkbank

Für den Schreinermeister Matthias Pausch begann die eigentliche Herausforderung dort, wo Papier zur Realität wird. Handwerklich anspruchsvoll war vor allem die Umsetzung der gewünschten Ebenen in den Gruppencollagen und die Montage der einzelnen Inhaberporträts an der Betonwand. „Knifflig war eigentlich nur die Montage“, sagt er nüchtern und meint damit ein Maß an Präzision, das das Ergebnis später unsichtbar macht.

Dass das Erscheinungsbild des Endprodukts klar definiert war, vereinfachte und verschärfte zugleich die Materialfrage. Für die Grundkörper kam letztlich nur ein Material infrage, da die Schleiflack-Oberfläche gesetzt war. Ziel war es, dass die Möbel selbst in den Hintergrund treten. „Das Museum soll allein wirken“, erklärt Pausch.

„Vergangenheit respektieren, Zukunft repräsentieren, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.“

Besonders vorsichtig ging er mit einzelnen historischen Objekten um, vor allem mit der alten Fusariol-Dose und dem uralten Kopier-Buch, welches zu diesem Zweck aufwändig restauriert wurde. Pausch: „Diese Gegenstände tragen nicht nur Geschichte in sich, sie sind Geschichte.“

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Dass Gestaltung und Umsetzung so präzise ineinandergreifen, ist kein Zufall. Eichner und Pausch arbeiten seit Jahren zusammen. „Ein starker Partner, der mitdenkt und verlässlich ist“, sagt Marc Eichner. Pausch ergänzt, die Zusammenarbeit sei sehr einfach: „kurze Abstimmungen, klare Rollen“.

Die gestalterische Führung lag bei Eichner, doch Pausch brachte sich ein, wo er Verbesserungen sah. Genau diese Mischung aus klarer Vision und handwerklichem Dialog ließ viele Ideen erst wirklich reifen.
Der Moment, in dem alles zusammenkam? Für beide war es ähnlich: nach der finalen Besprechung, in der Werkstatt, beim Auspacken der Bilder und dem ersten Auflegen. Plötzlich war das Museum nicht mehr Entwurf, sondern Wirklichkeit.

Gesichter einer Geschichte

Ein Detail ragt für beide besonders heraus: die Bilder der Inhaber. Sie erzählen die stärkste Geschichte, weil sie zeigen, dass jede Generation ihren Beitrag geleistet hat. Visionäre ihrer Zeit, von den Anfängen bis in die Gegenwart.
Auch Steffen Tropitzsch berührte genau das. Ihn fasziniert der unternehmerische Geist der jeweiligen Familien und wie sich Unternehmertum parallel zur Welt verändert hat. International war Cfm von Anfang an. Ein Aspekt, der heute aktueller wirkt denn je.
Besonders gefreut hat ihn die Dreidimensionalität der Umsetzung. Dass sich etwa die Fusariol-Dose komplett öffnen lässt, weil sie eigens unterbaut wurde, ist für ihn ein Sinnbild für den Anspruch des gesamten Projekts: nichts nur zu zeigen, sondern es erlebbar zu machen.

Ein Museum mit Haltung

Als Tropitzsch zum ersten Mal den vollständigen Entwurf sah, war sein Gefühl eindeutig: „Es wird gut werden.“
Hätte Steffen Tropitzsch die Möglichkeit, ein Familienmitglied aus der Vergangenheit durch das Museum zu führen, wäre seine Entscheidung: „Alle. Jeder Einzelne hätte es verdient, seinen Teil zu erzählen. Die schönen wie die herausfordernden Momente.“
Marc Eichner bringt es in einem Satz auf den Punkt:
„Das Museum ist absolut sehenswert, weil es die Geschichte eines Pioniers aus Marktredwitz sichtbar macht.“
Und zwar „still, leicht und unaufdringlich“, wie Matthias Pausch es nennt.

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